When robins appear, loved ones are near. Dieser Spruch ist vor allem in Großbritannien und Irland bekannt. Was das Rotkehlchen – auf Englisch robin – mit unseren Liebsten, die bereits verstorben sind, zu tun haben, möchte ich dir hier in diesem kurzen Beitrag erzählen.
Heute ist wieder dieser Tag. Der Jahrestag, an dem mein geliebter Hund Benny über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Obwohl es „schon“ zwei Jahre her ist, beschäftigt es mich immer noch. Kleine Geschichten und Sagen aus dem Volksglauben helfen mir dabei sehr, mir auch an schwierigen Tagen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Volksglaube aus Großbritannien und Irland
Seit vielen Jahren schon bin ich ein großer Fan der grünen Insel. Die vielen Sagen, Legenden und Traditionen haben mich schon seit Kindesbeinen fasziniert. Bei meinen Reisen durch Bücher und auch online zu diesen Themen bin ich auf den Volksglauben zum Thema „robin“ = Rotkehlchen gestoßen und er zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich einen dieser bezaubernden kleinen Vögel sehe.

„When robins appear, loved ones are near“ heißt es in Irland und Großbritannien. Über die letzten Jahrhunderte hat das Rotkehlchen immer mehr an spiritueller Bedeutung hinzugewonnen. So hat man es gehäuft bei Beerdigungen sehen können, woraus sich dann der Volksglaube entwickelt hat, dass es da wäre, um dem Verstorbenen seinen Respekt zu zollen und ihn in die Anderswelt zu begleiten.
Das „Westminster Wonder“& „Babes in the wood“
Einer Legende nach erschien im Jahr 1695 ein Rotkehlchen bei der Beerdigung der jung verstorbenen Königin Mary II. Es soll in der Nähe ihrer Grabstätte in der Westminster Abbey geblieben sein und gesungen haben, als würde es Wache halten. Diese Geschichte verbindet das Rotkehlchen mit den Themen Hoffnung, Erinnerung und der spirituellen Verbindung zwischen den Lebenden und ihren verstorbenen Angehörigen.
Eine andere bereits vor einigen Jahren entstandene Geschichte ist die der „Babes in the wood“. Hierbei handelt es sich um ein Kindermärchen, das 1595 in Norwich erstmals veröffentlicht wurde. Das Märchen handelt von zwei Mädchen, die nach dem Tod ihrer Eltern in die Obhut ihres Onkels und ihrer Tante geraten. Der Onkel allerdings übergibt die Kinder an zwei zwielichtigen Gestalten, um sich ihrer zu entledigen und so an ihr Erbe zu gelangen. Seiner Frau erzählt er, er habe die Kinder nach London geschickt, um dort eine Art Erziehungsanstalt zu besuchen. Die beiden Männer geraten in Streit, einer tötet den anderen und der Übriggebliebene überlässt die Mädchen ihrem Schicksal. Die beiden irren mutterseelenallein im Wald umher, bis sie sterben. Um ihnen Respekt zu zollen, erscheinen Rotkehlchen und bedecken die beiden am Boden liegenden Kinder mit Blättern.

Rotkehlchen – zwischen Glücksbringer und Unheilsbote
Während die meisten Erzählungen aus dem Volksglauben positiv behaftet sind, gibt es auch ein paar, die eher unheilvoll sind. Hier einige zusammengetragene Mythen, eher positive und auch eher düstere:
- Rotkehlchen erscheinen, wenn geliebte Menschen in der Nähe sind
- Wenn Rotkehlchen in deinem Garten fressen, sind wichtige Nachrichten auf dem Weg zu dir
- Unglück erwartet dich, wenn du mit Absicht einem Rotkehlchen oder seinen blauen Eiern schadest
- Wenn ein Rotkehlchen im November dein Haus betritt, bedeutet das Glück
- Siehst du zwei Rotkehlchen im Kampf, weist das auf einen neuen Lebensabschnitt hin
- Ein Rotkehlchen aus der Nähe zu sehen bedeutet, dass Glück unterwegs ist
- Fliegt ein Rotkehlchen durch ein offenes Fenster in dein Haus, wird bald ein Todesfall eintreten
- Sieht eine Braut an ihrem Hochzeitstag ein Rotkehlchen, wird sie eine glückliche Ehe führen
- Ein Rotkehlchen im Käfig versetzt den Himmel in Zorn. Unglück folgt dir, bis du es freilässt
- Ein Rotkehlchen, das an das Fenster eines Hauses klopft, kann auf Krankheit oder Tod hindeuten
Die Doppeldeutigkeit ist meiner Meinung nach sehr interessant und regt zum Nachdenken an. Der Spruch „robins appear when loved ones are near“ besagt ja bereits, dass das Rotkehlchen sowohl mit dem Tod als auch mit Hoffnung und einem spirituellen Dasein nach dem Ableben in Verbindung gebracht wird.
Zu guter Letzt noch ein wunderschönes Gedicht zum Rotkehlchen (Übersetzung unten)
Robin Redbreast – William Allingham (1824 – 1889)
Good-bye, good-bye to Summer!
For Summer’s nearly done;
The garden smiling faintly,
Cool breezes in the sun;
Our Thrushes now are silent,
Our Swallows flown away, —
But Robin’s here, in coat of brown,
With ruddy breast-knot gay.
Robin, Robin Redbreast,
O Robin dear!
Robin singing sweetly
In the falling of the year.
Bright yellow, red, and orange,
The leaves come down in hosts;
The trees are Indian Princes,
But soon they’ll turn to Ghosts;
The scanty pears and apples
Hang russet on the bough,
It’s Autumn, Autumn, Autumn late,
‚Twill soon be Winter now.
Robin, Robin Redbreast,
O Robin dear!
And welaway! my Robin,
For pinching times are near.
The fireside for the Cricket,
The wheatstack for the Mouse,
When trembling night-winds whistle
And moan all round the house;
The frosty ways like iron,
The branches plumed with snow, —
Alas! in Winter, dead and dark,
Where can poor Robin go?
Robin, Robin Redbreast,
O Robin dear!
And a crumb of bread for Robin,
His little heart to cheer.
Deutsche Übersetzung – Robin = Rotkehlchen 🙂
Robin Rotbrust
Leb wohl, leb wohl dem Sommer!
Denn der Sommer ist fast vorbei;
Der Garten lächelt nur noch schwach,
Kühle Brisen in der Sonne;
Unsere Drosseln sind nun verstummt,
Unsere Schwalben fortgeflogen, —
Doch Robin ist hier, im braunen Kleid,
Mit rotem, fröhlichem Brustknoten.
Rotkehlchen, Rotkehlchen,
O liebes Robin!
Robin singt so süß
In des Jahres Niedergang.
Leuchtend Gelb, Rot und Orange,
Die Blätter fallen in Scharen;
Die Bäume sind indische Prinzen,
Doch bald werden sie zu Geistern;
Die wenigen Birnen und Äpfel
Hängen rötlichbraun am Zweig,
Es ist Herbst, Herbst, spät im Herbst,
Bald wird nun Winter sein.
Rotkehlchen, Rotkehlchen,
O liebes Robin!
Ach wehe! mein Robin,
Denn harte Zeiten nahen.
Der Herd für die Grille,
Der Weizenstapel für die Maus,
Wenn zitternde Nachtwinde pfeifen
Und rings ums Haus herum seufzen;
Die frostigen Wege wie Eisen,
Die Zweige befedert mit Schnee, —
Ach! im Winter, tot und düster,
Wohin kann das arme Robin gehen?
Rotkehlchen, Rotkehlchen,
O liebes Robin!
Und ein Krümel Brot für Robin,
Um sein kleines Herz zu erfreuen.
Für mich steht das Rotkehlchen ausnahmslos für Freude und den Besuch von Liebsten aus einer anderen Welt. Hätte ich nicht für diesen Blogartikel recherchiert, hätte ich gar nichts von den unheilvollen Mythen rund um das Rotkehlchen gewusst. Mir waren immer nur die positiven bekannt – und bei denen bleibe ich auch 😉
Bis bald in der Eifel – ohne jeden Zweifel🌳

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Ich bin Daniela, Ergotherapeutin und Kräuterpädagogin. Viel Spaß auf Heimathaben!





