Das stille Kreuz am Berg – ein Unglück oberhalb der Thürer Wiesen

by Daniela

In den Thürer Wiesen tobt das Leben. Kormorane sitzen mit ausgebreiteten Flügeln auf den Bäumen, um ihr Gefieder im Wind trocknen zu lassen, im Sommer zaubert die Sonne unzählige Glitzersterne auf die Wasseroberfläche und Nutrias haben ein Zuhause zwischen dichtem Schilf und allerlei anderer Pflanzen gefunden. Ein Idyll, das nicht vermuten lassen würde, dass an einem Tag im Juni 1971 eine Frau nur einen Steinwurf entfernt auf tragische Weise ihr Leben verlor. 

Es war an einem Sommertag im Jahr 2025. Der Sonnenuntergang kündigte sich bereits mit spektakulären Farben an und ich war auf der Suche nach einem Platz, von dem aus ich gute Fotos von dem Farbspektakel machen konnte. Da fiel mir ein Weg ein, den ich früher immer schon mit Benny gehen wollte, da es dort aber wenig gibt, was ich für Benny als interessant einschätzte (keine Bäume, kein Wasser,…) war ich ihn nie mit ihm gegangen. Das sollte sich an diesem Tag ändern, nur leider ohne Benny. 

Der Aufstieg war nicht so einladend, aber die Farben am Himmel feuerten mich im wahrsten Sinne des Wortes an, da sie ein Feuerwerk aus Rottönen über den Eifelhimmel zauberten. Oben angekommen machte ich meine Fotos und genoss den Ausblick über Thür und Kottenheim. 

Auf dieser kleinen Anhöhe erblickte ich ein Kreuz. Gefertigt aus Stein – ich schätze, es ist Basalt – steht es ziemlich am Rand eines Feldes. Kaum zu übersehen machte es mich neugierig und ich ging hin, in der Hoffnung eine Aufschrift zu finden. 

„VOM BLITZ ERSCHLAGEN 4.6.1971 MARIA SCHLAF“. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Und so machte ich mich später auf die Suche nach weiteren Informationen zu diesem Kreuz. 

Kreuz Thür 02

Unterhalb der „Thürer Höhe“ zog plötzlich ein Unwetter auf

Die Informationen zu dem Kreuz, die man so im Internet findet, sind mehr als spärlich. Und so wandte ich mich an den Bürgermeister von Thür, der meine Anfrage an jemanden in Thür weiterleitete, der mir von vielen als „Dorfchroniker“ beschrieben wurde. Und dank ihm konnte ich wenigstens ein paar wenige Informationen zusammentragen. Danke dafür! 

Frau Maria Schlaf war im Juni 1971 etwa 50 Jahre alt und ledig. Sie bewirtschaftete mit ihrem Bruder einen Hof in Thür. An diesem Freitag war sie dabei, das damalige Kartoffelfeld oberhalb der Thürer Wiesen von Unkraut zu befreien. Plötzlich zog ein Gewitter auf, Maria Schlaf wurde vom Blitz getroffen und verstarb. Laut meinen Informationen hatte sie einige Zeit ein Grab auf dem Friedhof in Thür, da sie aber keine Nachkommen hatte, wurde das Grab dann nach Ablauf der üblichen Zeit entfernt. Nun erinnert nur noch das recht hübsch anzusehende Kreuz auf dem Berghang von dem tragischen Schicksal dieser Dame. 

Auch wenn ich Frau Maria Schlaf nicht kannte, geht mir ihr Schicksal doch sehr nah. Die Feldarbeit war vor 55 Jahren sicher alles andere als einfach, ebenso einen Hof zu bewirtschaften. Und dann in noch recht jungen Jahren so ein Ende zu finden finde ich traurig.  

Kreuz Thür 3

Ebenso dachte ich immer, dass die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden relativ gering wäre. Wie mir aber dann mehrere Leute erklärt haben, hatte Frau Schlaf wohl die ungünstigen Bedingungen, dass sie innerhalb eines gewissen Umkreises das einzige war, was eine „Erhebung“ dargestellt hatte. Die nächstgelegenen Bäume waren wohl damals schon weiter oberhalb des Berges und so war sie also das nächst beste Ziel des Blitzes, so seltsam sich das vielleicht anhören mag. 

Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wer das Kreuz aufgestellt hat, was mich sehr interessiert. 

Die Bilder von der Vorderseite habe ich minimal mit KI bearbeitet, da das Kreuz scheinbar gerne als Sitzplatz von Vögeln genutzt wird und man das bedauerlicherweise sieht. 

Kreuz Thür Titelbild

Wer das Kreuz gerne einmal sehen und auch die tolle Aussicht auf die umliegenden Dörfer und auch Thürer Wiesen genießen möchte, parkt am besten am „Jüdischen Friedhof Thür“. Dort gibt es eine Handvoll Parkplätze, wo auch immer die Besucher der Thürer Wiesen parken. Die Anfahrt erfolgt über die L113. Von dort aus kann man gemütlich dem Weg, der zum jüdischen Friedhof führt, weiter den Berg hinauf folgen und erreicht so das Kreuz.

Bis bald in der Eifel – ohne jeden Zweifel🌲🌳

Schriftzug Dani

 

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